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          06-01-2006
  06.01.2006 Das Museum im Berliner Dom

Nach der Palasttour hatte ich noch etwas Zeit, bei einem halbwegs hellen Nachmittagshimmel vom Dom aus einige Aufnahmen zu machen. Was ich nicht wußte und auch nicht an der Kasse erfuhr, war die Schließung des Kuppelumganges bei solchen widrigen Winterverhältnissen. Ersatzweise bot sich ein Besuch des erst kürzlich wiedereröffneten Dom-Museums an. Lange Zeit waren die Stülerschen Modelle und die anderen Entwürfe nur durch eine Glastür beim Aufstieg zur Kuppel zu sehen, Nun ist das Museum endgültig in die drei Räume im Emporengeschoß der Westseite des Domes untergebracht und für den Publikumsverkehr geöffnet.

Das Modell des Zentralbaus von Friedrich August Stüler aus dem Jahr 1859.

Der Basilikaentwurf von 1843, ebenfalls ein Stülerentwurf, der sich aber nicht durchsetzte.

Eine Detailaufnahme mit Blick in das Basilikamodell hinein.

Die Gestaltung der großen Rosetten am späteren Entwurf des Jahres 1859.

Alle Besucher sind weiter gegangen, eine günstige Gelegenheit für eine Aufnahme quer durch die Ausstellungsräume.

Drei Kapitelle, wie sie auch im Dom verwendet wurden. Entwürfe von Raschdorff.

Da die Räume erst nach Einzug des Museums für den Publikumsverkehr freigegeben wurden, interessiert mich selbstverständlich der Blick aus diverse Fenster und die Sichtachsen quer durch die Stadt. Hier ein Blick über Lustgarten und Zeughaus (links) und Altes Museum (rechts, angeschnitten), im Hintergrund das Internationale Handelszentrum.

Im Vordergrund Karl- Liebknecht- Straße (die nach rechts über die Schloßbrücke verläuft und ab hier Unter den Linden heißt) und Schloßplatz, im Hintergrund Auswärtiges Amt, die Schinkelsche Bauakademie, Friedrichwerdersche Kirche und rechts hinten die Türme des Deutschen und Französischen Domes. Am rechten Bildrand noch erkennbar die wiederaufgebaute Kommandantur, nach drei Seiten hin klassizistisch rekonstruiert und auf der der Straße abgewandten Seite mit einem über drei Stockwerke gehenden Wintergarten versehen.

Ein kleiner Schwenk zum Palast der Republik hin und gedanklich noch einmal auf den Rundgang um den Palast der Republik zurückkommend.

Vergleicht man einmal den Abstand, den der Palast zur Straße hin hat, mit dem Abstand der weiter hinten liegenden Grünfläche, die die Gebäudeflucht des ehemaligen Schloßes markiert (Grundmauern freigegraben und beschildert), dann wird erkennbar, daß dem Schloß - an dem bis weit in das 18. Jahrhundert hinein immer wieder an- und umgebaut wurde - eine ganz andere Raumplanung zugrunde lag. Zum einen waren durch die früheren Balustraden Straßenverkehr und Publikumsverkehr von der unmittelbaren Hausfront auf Abstand gehalten, zum anderen ergab sich eine ganz andere Raumempfindung hin zu Dom, Lustgarten und der Spreeseite. Die Schaffung freier Plätze war Voraussetzung für die Wirkung der Fassaden der angrenzenden Gebäude. Weiterhin darf man nicht vergessen, daß die Gegend um das Schloß sehr dicht bebaut war und freie Flächen kaum zur Verfügung standen, Zwänge entstanden auch durch den sumpfigen Baugrund. Deshalb spricht man im Zusammenhang von Schloß und Mitte auch immer vom Wilhelminischen Ensemble, weil zur Zeit Wilhelms II. und der vorherrschenden Kunstauffassung die Geslaltung der Mitte durch Neubau des Berliner Domes - als Ersatz für den zu klein empfundenen von Schinkel erbauten Dom - abgeschlossen wurde. (Das Schloß selbst hatte durch An- und Umbauten seine maximale Größe und endgültige Gestaltung erreicht.)

Und was ist der Zustand heute ? Die Fassade des Palastes steht zu dicht an den Dom herangebaut und verdeckt eher die Südseite, während die anderen drei Seiten gut einsehbar blieben, der Schloßplatz bietet gähnende Leere und stört unser ästhetisches Empfinden. Es gibt praktisch eine stadtebauliche Leere, die wieder gefüllt werden muß. Mit Vernunft, z.B. sollen die in Randbezirken untergebrachten Museen in das Humboldtforum einziehen (was wirtschaftlich Sinn macht und den Standort Museumsinsel stärkt), den ästhetischen Gesichtspunkten soll eine an das historische Vorbild in Material und Ausführung streng angelehnte Fassade gerecht werden. Sie sehen, es gibt mehr Überlegungen als nur Pro und Contra eines "Schloßneubaues" ...

Ein Blick durch Dom und Palast der Republik in Richtung Nikolaiviertel, zu sehen sind (von links) Rotes Rathaus, Stadthaus und die Turmspitzen der Nicolaikirche.



     

     
 

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