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          13-01-2006
  12.01.2006 Tauwetter am Berlin- Spandauer Schiffartskanal

Frühmorgens, noch im Dunkeln und auf dem Weg zur Arbeit, hatte ich es schon bemerkt. Die Eisschicht auf dem Berlin- Spandauer Schiffartskanal war am Verschwinden, zügig und dicht an dicht schwammen große und kleine Eisschollen unter der Brücke hindurch. Bis zum frühen Nachmittag nahmen die Schollen in der Anzahl immer weiter ab und der Kanal bot den gewohnten Anblick.

Blick von der Torfstraßenbrücke in Richtung Westhafen und Kraftwerk.

Die Häuser am Nordufer spiegeln sich im Eiswasser des Kanals.

Was macht die Möwe, wenn die Eisscholle immer weiter kanalabwärts driftet, einfach zurückfliegen ? Oder schließt sie sich irgendwann einer anderen Gruppe an ? Angesichts solcher Bilder wird einem ab und an bewußt, wie wenig man im Alltag von der nahen Umwelt sieht und versteht.

Kanalaufwärts, auf halber Strecke zwischen Humboldt- und Nordhafen. Hier ware früher Staatsgrenze, hier in der Nähe hinter den neuen Häusern in der Bildmitte liegt der alte Invalidenfiredhof, den die DDR wegen der besseren Übersicht des Geländes einfach niederriß, trotz Gräber von Scharnhorst und anderen. 1997 wurde hier mit Mitteln der Bahn-AG diese Promenade geschaffen und als Teil des Berliner Mauerweges ausgeschildert.

Einer der früheren Wachtürme der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Damals freistehend, mußte nach der Wendezeit und Abbau der Grenzanlagen der Investor der neugebauten Wohnhäuser Gelände und Turm unverändert belassen. Heute befindet sich in dem Turm eine Gedenkstätte zum Grenzregime und erinnert an einen der ersten Toten nach dem Mauerbau 1961.

Wenn Sie einmal vorbeikommen und einen Schäferhund an der Tür liegen sehen, treten Sie ruhig näher. Er ist Begleiter des Bruders des 1961 erschossenen Günther Litfin, der an dieser Stelle die Erinnerung an das Geschehen wachhält und viele Begebenheiten und Erlebnisse aus vergangener Zeit erzählt.

Vor Betreten des Invalidenfriedhofes (den auffallend viele junge Menschen zum Radfahren, Hundeausführen und Spielplatz - aufgestellte Schneemänner !- nutzen) ein Blick über das linkseitige Ufer mit Hamburger Bahnhof, weit hinten die Kuppel des Reichstages, dem Bahn-Tower am Potsdamer Platz und der Silhouette des entstehenden Lehrer Bahnhofes, nach Lesart des Bahnvorstandes und Mehdorns "Hauptbahnhof".

Komiisch nur, Berlin hatte nie eine Mitte, einen zentralen Punkt wie anderenorts Städte mit einem Markt oder Bahnhofstraße und Vorplatz. Nehmen Sie Kassel, der alte Bahnhof ist nicht mehr, der neue zentrale heißt Kassel- Wilhelmshöhe, käme da einer auf die Idee einer Umbenennung ? Aber Berlin mit Milliardenschulden muß der Dummheit noch eine Krone aufsetzen und Geld für eine unnütze Umbenennung hinterherwerfen, ausgeben für die Machtdemonstration wie zu Kaisers Zeiten. Indem man etwas "Hauptbahnhof" nennt, glaubt man wohl in bestimmten Führungsetagen, bedeutender zu erscheinen. Heraus kommt bedeutender Provinzialismus.

Bedeutend ist weiterhin der Unsinn, der verzapft wird. Weil der neue Bahnhof die für die Wirtschaftlichkeit erforderlichen Besuchszahlen allein nicht schaffen würde, nimmte man anderenorts die Zughalte weg und verlegt - in die Berliner Wüste nördlich des Spreebogens ! Glauben Sie, daß irgendwer vom Süden Berlins eine Stunde nach Mitte fährt, um dort abzufahren ? Ich auch nicht ... Eine Stunde bis Lehrter Bahnhof, in derselben Zeit ist man im Auto bereits weit weg. Hier ist nichts, keine gewachsene Stadt, alles weggebombt im letzten Krieg. Und die Preise für eine heiße Bockwurst oder Bulette, zukünftg von den teuer vermieteten Ständen im oder am Bahnhof verkauft, möchte ich auch nicht probieren ... Arme Touristen und Reisende, die hier abermals umsteigen müssen in S-Bahn oder Taxi, es wird Zeit dauern und Geld kosten.

Eine Sichtachse hinter der Ausstellungshalle des Hamburger Bahnhofs



     

     
 

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