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          19-05-2006
  18.05.2006 Zentralfriedhof Friedrichsfelde

Man lernt nie aus. Daran mußte ich unwillkürlich denken, als ich mich auf dem Zentralfriedhof Firedrichsfelde umschaute. Irgendwie war mit diesem Friedhof der Friedhof der Sozialisten gedanklich verknüpft, ohne die eigentliche Bedeutung dieser Anlage zu erkennen.

Ursprünglich vom Berliner Stadtgartendirektor Mächtig, einem Schüler Lennés, und dem königlichen Gartenbaudirektor Fintelmann konzipierten und an die Gestaltung des Ohlsdorfer Friedhofes in Hamburg angelehnten Landschaftspark entwickelte sich der Friedhof zu einem bevorzugten Begräbnisort der Arbeiterführer. Begonnen hatte diese Entwicklung mit der Beisetzung Wilhelm Liebknechts, später kamen weitere Führer der Sozialdemokratie und der Gewerkschaftsbewegung hinzu, ebenso fanden die ermordeten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht hier ihre letzte Ruhestätte.

Der Friedhof stand "allen Bekenntnissen und sozialen Schichten" offen, so kamen später bürgerliche Schichten hinzu, wurden Grabanlagen großartig ausgeschmückt bzw. von Architekten entworfen. Wer heute durch diesen Friedhof geht und sich Zeit für die Betrachtung nimmt, wird unschwer die vielen Einflüsse künstlerischer Strömungen erkennen und den Friedhof als zeitgeschichtlich und politisch interessant und Spiegelbild kultureller Strömungen des 20. Jahrhunderts verstehen.

Die Gedenkstätte der Sozialisten in Friedrichsfelde.

Darin das Grabmal Wilhelm Liebknechts, Eisengießer und weibliche Gestalt symbolisieren die Verbindung von Proletariat und Wissenschaft.

Grabstätte der Familie von Wangenheim-Winterstein. Künstler, Schauspieler, Regisseure waren in der Familie vertreten.

Das auf einem Hügel stehende Kolumbarium der Familien Vohsen/ von der Steinen diente früher der Aufbewahrung von Ascheurnen. Folgt man den Spuren dieser Familien, stößt man auf koloniale Tätigkeiten und ethnologischen Forscherdrang.

Die Anlage wurde 1912 erbaut, kurze Zeit, nachdem in Preußen Feuerbestattungen erlaubt wurden.

Die Grabstelle des früheren Oberbürgermeisters Kirschner. Nach seiner Wahl in das Amt mußte er 18 Monate auf die Bestätigung durch das Kaiserhaus warten, da es Spannungen zwischen diesem und der Stadtverordnetenversammlung wegen eines Beschlußes zur Sanierung des Friedhofes der Märzgefallenen 1848 gab. In seine Amtszeit fielen die erste Berliner U-Bahnstrecke, die Anlage des Schillerparks, Bau des Rudolf- Virchow- Krankenhauses, die Anbahnung der Eingemeindung verschiedener Gemeinden zum Zweckverband Groß-Berlin u.a.m.

Vorn links im Bild liegt ein besonderer gebrannter Ziegelstein mit dem Berliner Wappen, der dieses Grab als Berliner Ehrengrab ausweist.

Das ehemalige Revolutionsdenkmal, erschaffen von Mies van der Rohe und 1935 von den Nationalsozialisten zerstört, wurde in kleinerer Form wiederaufgebaut und erinnert mit der Bronzeplatte an das frühere zwölf Meter lange und ca. sechs Meter hohe Denkmal.

In einer Seitenachse eher unscheinbar angeodnet finden sich einige Künstlergräber, z.B. Käthe Kollwitz, Otto Nagel, Paul Wiens, Ludwig Renn, Irmtraud Morgner u.a.

Familiengrab Kollwitz, Stern und Schmidt (Bruder von K.Kollwitz). Das Relief wurd von K.Kollwiz nach den Goethewort "Ruht im Frieden deiner Hände" 1936 geschaffen.

Otto Nagel, Maler.

Ein Stück weiter befinden sich die Gräber von Mächtig und Fintelmann. Letzteres hier abgebildet, wurde vom Bildhauer Manthe gestaltet und würdigt Fintelmann als "Förderer der Gartenkunst". Beide haben Hervorragendes geleistet. Mächtig zum Beispiel. die Gestaltung des Victoria-Parks, die Anlagen Pariser Platz, Arnswalder Platz, Gendarmenmarkt, Fintelmann war zum Beispiel an den Planungen des Botanischen Gartens beteiltigt, um nur einige zu nennen.

Sehenswert bei dieser Gestaltung die Typografie, Einflüsse des Jugendstiles sind erkennbar.

Eine kleine Ausstellung am Eingang des Zentralfriedhofes beschreibt die Entwicklung vom Armenfriedhof zum Sozialistenfriedhof.



     

     
 

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