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          29-05-2006
  29.05.2006 Lehrter Bahnhof Hauptbahnhof im Betrieb

Es blamiert sich Jeder, so gut er kann. Daran mußte ich denken, als ich das erste Mal durch die Untergeschosse des neuen Bahnhofes gelaufen bin. Große Ankündigung, Lichtshow wie im dritten Reich zur Olympiade (ich weiß, der Vergleich hinkt etwas, damals waren es Flakscheinwerfer der Luftwaffe, aber immerhin- eine damals neu eingesetzte Technik, vergleichbar in der heutigen Zeit die Lasershow) und dann die mit viel Spannung aufgebaute Erwartung und der Fall ins Nichts- Beton, Beton, nichts weiter als Beton.

Begonnen hatte mein Besuch des neuen Bahnhofes bereits einige Tage vorher, am Ostbahnhof. Hier wollte ich sehen, was in der von mir desöfteren vor Bahnfahrten aufgesuchten Wurstbude ein paar Wiener oder die normale Bockwurst kosten- man will ja die Preise vergleichen, hier an der Peripherie und dort im neuen Zentrum reichseisenbahnerischer Glückseligkeit, und wissen worüber man schreibt. Aber nichts da, die Würste gab es nur in doppelter Länge, auf Nachfragen hin auch keine Normallangen wie sonst ! Wenn der Ladenbesitzer größere Umsätze erhoffte, dann nicht mit mir, was soll ich mit einer doppelten Portion ? Wer ißt schon zwei Würste früh am Morgen ? Dann lieber ordentlich zu Hause frühstücken, den Pott Kaffee bekomme ich auch woanders ...

Heute morgen der Besuch des Bahnhofs Zoologischer Garten, verwaist, wenige Menschen, als ob ich Montagmorgens um drei Uhr hier stünde. Wo sich früher Menschen drängten, leere Bahnhofshalle und geschlossene Fahrkartenschalter. Wider Erwarten ein ähnliches Bild am Lehrter Bahnhof, ach so, Mehdorn hat mit Umbenennung des Bahnhofes in Hauptbahnhof gleich das ganze Hindernis Betriebsgeschichte entsorgt- die Bahn modern, im Aufbruch, dürfen wir hoffen, Herr Mehdorn, keine Zugverspätungen mehr ? Ich habe Zweifel und bleibe traditionell beim alten Namen, Lehrter Bahnhof bitte sehr, ich bin Kunde und habe nichts gemein mit der Großmannssucht derer im Bahnvorstand, Berlin hatte nie den einen Marktplatz, sondern viele Knotenpunkte, ebenso viele Bahnhöfe und Stationen, aber das nebenbei. Die wenigen Menschen auf den Bahnsteigen, sind das anormal wenige, weil die Menschen in der Zeit um Fahrplanwechsel bewußt weniger fahren, da in der Vergangenheit soviele Verspätungen und Logistikprobleme auftraten ? Und wenn es sich hierbei um ein ganz normales Montagmorgentliches Verkehrsaufkommen handelt ? Die Anzahl Menschen, die früher den Bahnhof Zoo bevölkerten, verlieren sich in den langen Untergeschossen und vielen Bahnsteigen. Und die Menge Menschen, die uns der mehdornsche Werbestoßtrupp weismachen wollte, die von heute auf morgen alle Bahn fahren würden, wo sind diese Menschenmassen ? Ich werde das Gefühl nicht los, daß Kritiker Recht behalten könnten und bei der Bedarfsermittlung am Bedarf vorbei geplant wurde. Ein Luftschloß statt Bodenständigkeit, und woanders bleiben notwendige Modernisierungen einfach liegen.

Die Zeit wird zeigen, ob die Dinge sich zum Positiven wenden oder die gegenwärtigen Wüste um diesen Flecken Erde bestehen bleibt. Denn außerhalb des Bahnhofes ist Nichts, keine gewachsene Stadtstruktur, keine Geschäfte oder Kneipen, einfach nichts. Und die Würste, die ich suchte, ich fand sie nicht, nicht eine Bockwurst auf dem ganzen Bahnhof im Verkauf, gebratene Riesencurrywürste für stolze vier Euro nochwas, nebenan- obwohl Rauchverbot im Bahnhof- die Süchtigen dieser Welt mit unzähligen Zigaretten in Mund und Hand ... Es ist alles so wie immer, Erwarten Sie nichts Besonderes, wenn Sie hier vorbeischauen ! Aber beeilen Sie sich, erfahrungsgemäß sind die ersten Sprayer schnell am Werk, und wer weiß, vielleicht sind ja bald einige Läden wieder geschlossen, hohe Mieten und der in der Erwartung zurücbleibende Umsatz, wir kennen das in Berlin ...

Eine erste Fahrt mit einem sogenannten Panoramafahrstuhl hinab in den Keller.

Lange Untergeschosse, viele Läden, aber nur wenige Menschen.

Ein Blick über die Gleise.

Vierhundert Meter bis zum Reichstag, wahrscheinlich Luftlinie. Selbst mit Fahrrad brauche ich für die Strecke einige Minuten ...

Hübsch gemacht- die Anordnung der Leuchtkörper schafft Akzente.

Während am Eingang noch eine große Tafel von den Abfahrtzeiten der Züge kündet, hat man auf Bahnsteigebene und Untergeschosse einige Mühe die Informationen zu finden. Auch wenn hier im Motiv die Verwandlung der normalen Rufsäulen hin zur fußballtragenden Säule dokumentiert ist, bleibt eines nebenbei erkennbar- zuviel Werbung und Aufmerksamkeit heischende Leuchtflächen lenken von der notwendigen Information ab.

In diesen Tagen ein normales Bild, daß zusätzliche Angestellte die Wege erläutern.

Mit dem Rücken zum südlichen Eingangsbereich stehend ein Blick hin zu den verschiedenen Ebenen.

Die Fußballweltmeisterschaft kündigt sich an- eine eventbezogene Informationsstelle in der Bahnhofshalle.

Ein Blick über den Bereich der nördlichen Eingänge.

Terassencafe, Ausblick auf Hamburger Bahnhof und hier im Bild das Hochhaus und alte Institutsgebäude der Charité.

Ein Pluspunkt für Berlinbesucher- ein Informations- und Auskunftsbüro.



     

     
 

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