www.Berlinansichten.de
          06-07-2006
  06.07.2006 Das Charlottenburger Tor

Wenn es eine Sache gibt, die ich liebend gern geändert wüßte- sofern ich die Möglichkeit hätte, das mal an der richtigen Pforte vorzutragen, für den Nachdruck würde ich schon sorgen- würde ich der Vergänglichkeit vieler Kunstwerke Einhalt gebieten. Aber wie das so ist im Leben, Verschleiß allerorten. Und hier in der Großstadt wahrscheinlich noch beschleunigt durch Verkehr und- leider- menschlichen Fehlverhalten, sprich Vandalismus.

Daß es Möglichkeiten gibt, viele der Witterungsprozeße, die den freistehenden Denkmälern und historischer Bausubstanz zusetzen, zu verlangsamen oder aufzuhalten, davon konnte ich mich ein wenig vor Ort am Charlottenburger Tor überzeugen. Vergangenes Jahr hatte ich Gelegenheit, einen sehr interessanten Vortrag durch Prof. Dr. Engel von der Stiftung Denkmalschutz zu hören, untersetzt mit vielen praktischen Beispielen, die den Werdegang am Charlottenburger Tor, aber auch die Entwicklung der denkmalpflegerischen Arbeiten in den zurückliegenden Jahrzehnten und in der heutigen Zeit erhellten. Für mich ging heute ein kleiner Traum in Erfüllung, mit freundlicher Unterstützung durch die die Restauration ausführende Firma Nüthen und der Stiftung Denkmalschutz durfte ich den Fortgang der Arbeiten einsehen. Und über diese Bilder Sie als interessierte Leserschaft mitnehmen ...

An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an alle Beteiltigten, die mir interessierten Laien ausnahmsweise diesen Besuch ermöglichten.

Das Charlottenburger Tor, verhüllt, um witterungsunabhängiges Arbeiten und Reduzierung der Staubbelästigung zu gewährleisten. Angesichts der hohen Kosten, die aufgebracht werden müssen, sollen die Restaurierungsarbeiten fachgerecht erfolgen, ist es eine glückliche Fügung zu nennen, daß es Firmen gibt, die diese Arbeiten über Werbung finanzieren helfen.

Am Anfang meines Besuches der Aufstieg bis zur Spitze des Baugerüstes, um die naheliegende Umgebung in Augenschein zu nehmen. Der Blick geht in Richtung Ernst-Reuter-Platz und dem Hochhaus der Technischen Universität. Links und rechts im Vordergrund die Häuser der verschiedenen Fachdisziplinen der Universität, links vor dem Hochhaus das Haus der Chemie, das Hochhaus dahinter ist das Hauptgebäude. Übrigens ein sehr sehenswertes Gelände mit einem Stück der ehemaligen Charlottenburger Chausee.

Gegenüber die Sicht auf die Spree und Uferzone, rechts das Mercedes-Benz-Autohaus am Salzufer.

Blick über die Straße des 17. Juni mit Ernst-Reuter-Haus, dem Dorint Novotel und S-Bahnhof Tiergarten, dahinter teilweise sichtbar die Hochhäuser des Hansaviertels, angrenzende Teile des Tiergartens und Sicht auf die Siegessäule und dahinter die Silhouette der City Ost.

Eine Blick durch das Teleobjektiv- im Vordergrund die Siegessäule, dahinter (von links) Internationales Handelszentrum, Fernsehturm, Berliner Dom und Rotes Rathaus.

In südlicher Richtug eine Ansicht auf die Gedächtniskirche am Kurfürstendamm.

Zurück zum Charlottenburger Tor. Hier ein Bildausschnitt von der sorgsamen Verfugung, um der künftigen Witterung keine Angriffsmöglichkeit (Regenwasser, Stauung, Forstabsprengungen im Winter) zu bieten. Dieses Detail habe ich von der vorjährigen Besichtigung und Vortrag in lebhafter Erinnerung.

Ein anderes Beispiel der sorgfältigen Arbeit. Dort, wo Schäden in die Tiefe des Gesteins gingen, sind (viereckige) Einfügungen - sog. Vierungen- zu sehen. Angepasst die Oberflächenbearbeitung und fugenfreie Einpassung. Was sehr deutlich zu sehen ist, sind die dunklen Verfärbungen des Gesteins durch Umwelteinflüsse, die ebenfalls so entfernt wurden, ohne das darunterliegende Gestein zu beschädigen. Eine Sisyphusarbeit, wenn man sich vorstellt, daß die gesamte Oberfläche bearbeitet wurde !

Eine weitere Ansicht auf die Rekonstruktion eines Reliefs.

Kleine Markierungen geben Auskunft über die erforderlichen Arbeiten- Anfügungen (wie hier im Bild), Ausfüllen von Hohlräumen und viele Einzelarbeiten mehr, die man auf den ersten Blick gar nicht vermutet.

Faszinierend und für mich als Laien schwer vorstellbar, mit welcher Erfahrung ein Restaurator beispielsweise durch Percussion herausfindet, an welchen Stellen Hohlräume entstanden sind, die ausgebessert bzw. ausgefüllt werden müssen, um Eindringen von Feuchtigkeit und Ablösungen/ Abplatzen von Teilen des Gesteins zu verhindern.

Auf den ersten Blick sieht der Arbeitsplatz eines Steinmetzes unspektakulär aus, doch bedeutet die mögliche Hinzunahme von technischen Hilfsmitteln eine enorme Arbeitserleichterung. Zum Verständnis: Die Abdeckung des Denkmals dient nicht nur der Staubvermeidung und der Möglichkeit der ganzjährigen Arbeit, sondern bedeutet zugleich eine enorme Belastung durch gestaute Wärme. Aus Arbeitsschutzgründen muß eine Schutzbrille getragen werden, die Arbeit selbst ist nach wie vor anstrengend und körperlich, gleichzeitig hochkonzentriert, denn ein Fehlschlag kann den Verlust der Arbeit eines ganzen Tages oder mehr bedeuten. Respekt für das handwerkliche Können dieser Fachleute !



     

     
 

Links

Startseite

Startseite 2006

Archiv (Monate)

Galerie (vorherige)

Designwechsel
Downloads auf www.juergenbacka.de
Impressum
Links
Über mich

RSS