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          25-02-2007
  25.02.2007 Karlshorst- die Zweite


Weil ich mich zu lange in die Beschreibungen der Exponate und Schautafeln im Deutsch-Russischen Museum vertiefte, konnte ich beim ersten Rundgang durch Karlshorst vor einigen Tagen nicht alle geplanten Punkte erreichen, ruckzuck waren die Zeit und Tageshelligkeit verschwunden, so daß sich der heutige Tag mitsamt grautristen Himmel als Fortsetzung regelrecht anboten. Neben einigen interessanten Denkmalen beförderte der Spaziergang auch einige farbenfrohe Momente, die zeigen, daß sich auch hier an der Peripherie einige Dinge in Bewegung gesetzt haben.




Ertser "nachgeholter" Anlaufpunkt war das Portland-Cement-Haus in der Dönhoffstraße. Urpsrünglich als ein Forschungsinstitut der damaligen deutschen Bauwirtschaft errichtet , folgten als Mieter in den Nachkriegs- und DDR-Jahren die Botschaften Algeriens und der Mongolei als Mieter. Das Innere des Hauses war leider nicht zu betrachten, es wird als vollständig im Jugendstil errichtet beschrieben und muß einer anderen Gelegenheit vorbehalten bleiben.




Fassadendetail.




Treskowallee-/ Ecke Rheinsteinstraße beeindrucken alte Hausfassaden in frischer Farbe und lassen diesen Platz heller und freundlicher erscheinen.




Etwas versteckt und von der Straßenseite im Vorbeigehen nur zufällig entdeckt finden sich Putzarbeiten und Ornamente, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob sie auf ein reales Vorbild bzw. ursprünglicher Anlage beim Hausbau zurückgehen oder einen Einfall des Besitzers oder Architekten entsprangen.







Rundes und Eckiges in einer Fassadenfront, vorgebaute Erker und Balkone.




Ein Abkürzung zur Köpenicker Allee führt durch mehrere Gartenanlagen, deren Hauptstraßen an ein Projekt aus DDR-Zeit erinnern. In Mangel an Straßenbaumaterialien wurden nebenrangige Wege planiert und verdichtet und mit Kies oder Split versehen, aber keine Bitumendecke. Im Laufe der Zeit entstandene Schlaglöcher wurden umfahren oder durch Anwohner mehr oder weniger aufgefüllt. Einen Vorteil hatte diese Sache allerdings- der Boden wurde nicht versiegelt und Regenwasser konnte versickern. Für viele Nebenwege mag das gereicht haben, aber dort wo Lastverkehr zum Verkehrsaufkommen zählte wurden solche Pisten sehr schnell "löchrig". Heute kommt das Argument der Kosten hinzu, wenn man abwägt, den alten Zustand zu belassen oder mit gründlichen Tiefbau eine Straße zu errichten. Aber nicht immer werden Anwohner befragt, sondern in Ratshäusern oder anderen Amtsstuben entschieden- aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte ...




Ein Nebensatz hatte mich elektrisiert. Der Verein Theater und Kultur in Denkmälern berichtete von einer Zwischennutzung eines sonst nicht zugänglichen Denkmales, was mir die Dimension der ehemaligen militärisch genutzten Anlagen rund um das heutige Deutsch-Russische Museum, vormals Pionierschule und Kaserne der Wehrmacht und späterer Standort der russischen Garnision verdeutlichte. Das Bild zeigt einige der früheren Flugzeughallen. Inwieweit Flugzeuge montiert oder vorgefertigt wurden- vielleicht in ähnlicher Art und Weise wie zum Kriegsende in den unterirdischen Anlagen Tempelhofs-, konnte ich leider auch nicht im nahegelegenen Museum herausbekommen. Auch nicht von Passanten, denn zwischenzeitlich hatte es angefangen durchdringend zu nieseln und damit vereinzelten sich den wenigen sonntäglichen Spaziergänger immer mehr.







Der ehemalige Hochbunker in der Zwieseler Straße gehört ebenfalls zu den Gebäuden der ehemaligen Festungspionierschule. Das gesamte Gelände wurde von den russischen Streitkräften bis 1994 genutzt, im Umfeld lebten zahlreiche Familien und Angehörige der Offiziere.




Zurück in der Treskowallee. Auffällig das Fehlen früherer Verzierungen an der Fassade, eine ehemals strukturierte Ansicht erscheint flächig und etwas ungünstig in den Proportionen. Abgesehen davon, daß nur noch wenige Handwerker mit solchen Stuckarbeiten vertraut sind, sind für das Anbringen solcher Zierden ungleich höhere Geldbeträge nötig. Wurden in früheren Jahrzehnten ca. 5 bis 8 Prozent der Gesamtbausumme in die Gestaltung einer Fassade investiert, ist das Aufkommen heute auf wenige Prozent zurückgegangen.




An der Fachhochschule für Wirtschaft und Technik, Fassade der Gebäude Campus Treskowallee.




Detail der Fassade am Hauptgebäude mit Abbildungen diverser Dichter, Denker und Wissenschaftler. Im Bild links Freiherr von und zum Stein und rechts Martin Luther.



     

     
 

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